Wiese: Außenwirtschaft in turbulenten Zeiten ist mehr als Namedropping

Zum heute vorgestellten Außenwirtschaftskonzept des Senats erklärt Prof. Dr. Götz Wiese, wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion:

 

„Die Außenwirtschaft ist für die Exportnation Deutschland im Allgemeinen und für den Hafen-, Logistik- und Industriestandort Hamburg im Besonderen von zentraler Bedeutung. Doch das nun präsentierte Außenwirtschaftskonzept, das laut Senat das Konzept des damals CDU-geführten Senats von 2006 fortschreiben soll, ist weitgehend alter Wein in neuen Schläuchen. Viel Namedropping und Anteasern sollen das Gefühl vermitteln, man kümmere sich. Die Wirtschaftssenatorin sagte es selbst: Es handelt sich vorwiegend um eine Bestandsaufnahme. Aber mit einem auf 84 Seiten beschriebenen Status quo darf sich Hamburg nicht zufriedengeben.

 

Mehr Vernetzung und mehr Lieferketten mit mehr Handelspartnern sollte Hamburgs Gebot der Stunde sein, um einseitige Abhängigkeiten zu mindern und Wohlstand und Versorgungssicherheit zu mehren. Die Zeichen stehen an der Wand: Andere Wirtschaftszentren ziehen an uns vorbei (Beispiel Häfen in Rotterdam und Antwerpen) und gehen zukunftsweisende Verbindungen ein (siehe Green & Digital Corridor zwischen den Port Authorities in Singapur und Rotterdam). Ganzen Branchen droht der Exodus (nach der Solartechnik jetzt auch im Bereich der Wärmepumpen). Innovative Start-ups und Wagniskapital zieht es in andere Städte als Hamburg.

 

Als Hansestadt ist Hamburg mit seinem Hafen für das Knüpfen weiterer Beziehungen prädestiniert. Um die Diversifizierung deutscher Handelsketten nachhaltig zu stärken, sollte Deutschlands größter Seehafen mit den großen Häfen in Ländern wie Brasilien, Indien, Südafrika oder Vietnam endlich Partnerschaften etablieren. Das gleiche gilt für Häfen in Ländern, aus denen Wasserstoff nach Hamburg importiert werden soll, wie z.B. Australien, Chile oder Kanada. Unter den aktuellen Partnerhäfen befinden sich zwei aus China, jedoch keiner aus obigen Ländern. Auch dass Hamburg keine Partnerschaft mit einem Hafen in den USA unterhält, entspricht schon lange nicht mehr der geopolitischen Realität. Dass Bürgermeister Tschentscher seine Reise in die USA dazu offenbar nicht genutzt hat, ist ein großes Versäumnis.

 

Bei den Hamburg Ambassadors, mit denen sich der Bürgermeister am Donnerstag im Rathaus trifft, vermisse ich ebenfalls eine zeitgemäße Anpassung. Warum hat die Welthafenstadt Hamburg beispielsweise keine Vertreterin bzw. keinen Vertreter auf dem afrikanischen Kontinent?

Senat und Senatorin haben noch viel Arbeit vor sich.“