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Gastbeitrag - Bildungsministerin Karin Prien: Auswirkungen der Schulschließungen sind massiv

Die Schulschließungen im März waren richtig und wichtig, um die Pandemie einzudämmen und das Ziel „Flatten the Curve“ zu erreichen. Aber die Auswirkungen dieser Schulschließungen sind massiv. Die Kluft zwischen starken und schwachen Schülerinnen und Schülern ist größer geworden. Die Misshandlung von Kindern und Jugendlichen hat in einem Maße zugenommen, das wir kaum noch vertreten können. Deshalb war es von Anfang an unser Ziel, die Schulen so früh wie möglich wieder zu öffnen. Mit Blick auf die letzten drei Wochen war es auch im Nachhinein die richtige Entscheidung, gerade an den Grundschulen früher zum Regelbetrieb zurückzukehren, als es sich andere Bundesländer getraut haben.

Wir haben uns in Schleswig-Holstein schon sehr frühzeitig mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen ausgetauscht. Dabei haben wir auch vom Ressortzuschnitt meines Ministeriums profitiert. Die Verbindung von Bildung und Wissenschaft unter einem Dach hat uns dabei geholfen, jeden Schritt der Schulöffnung systematisch durch die Wissenschaft zu begleiten.

Am 8. Mai 2020 haben wir einen Vierphasenplan zur Wiedereröffnung der Schulen vorgelegt und das Inkrafttreten jeder neuen Phase an das Infektionsgeschehen angepasst. Dann hat sich die Situation in Schleswig-Holstein verändert. Die Zahl der Infizierten war sehr gering, gleichzeitig offenbarten sich die Kollateralschäden der Schulschließungen.  

In solchen Momenten müssen wir in der Politik flexibel reagieren. Deshalb haben wir als eines der ersten Bundesländer wieder den Regelbetrieb – unter Coronabedingungen – aufgenommen. Gerade die Jüngsten haben sich mit dem digitalen Lernen schwergetan. Sie brauchen den direkten Kontakt zu ihren Lehrkräften und sie brauchen auch den Austausch mit Gleichaltrigen. Schule ist nicht nur ein Ort des Lernens, sie ist auch ein Ort des sozialen Miteinanders – nicht nur für diejenigen, die schulische Unterstützung besonders brauchen.

Deshalb werden nach den Sommerferien auch alle Schülerinnen und Schüler der weiterführenden Schulen regulären Unterricht unter Corona-Bedingungen bekommen. Wir setzen dabei weiterhin auf das Kohorten-Prinzip: An den Grundschulen wird im Klassenverband unterrichtet, an den weiterführenden Schulen findet so viel Unterricht wie möglich in kleinen Gruppen statt.

Niemand kann seriös von einer absoluten Sicherheit an unseren Schulen sprechen. Aber durch die von uns getroffenen Maßnahmen reduzieren wir das Risiko so weit, dass eine weitere Verzögerung der Schulöffnung nicht zu verantworten wäre.

Die Coronakrise ist noch nicht vorbei und wir werden auch in Zukunft mit neuen Pandemien konfrontiert werden. Aus unseren Erfahrungen heraus müssen wir unseren Blick auf die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen ändern, damit sich die massiven Auswirkungen der Schulschließungen nicht wiederholen.

Das erfordert Mut und Verantwortungsbewusstsein – aber das sind wir unseren Kindern auch schuldig.

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